Problemstellen für Rost beim Typ44 und C4

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Werksseitige Schwächen und Lücken in Verzinkung und Unterbodenschutz


  • Der Typ44 Nachfacelifter und C4 sind bei der Produktion zwar vollverzinkt worden, diese Verzinkung ist beim fertigen Auto jedoch nicht überall in gleicher Dicke vorhanden. Der Typ44 Vorfacelifter wurde nur teilverzinkt.
  • Ein beliebtes Beispiel für dadurch bedingten Rost am Unterboden sind z.B. die Schweisspunkte an den hinteren Längsträgern, also zwischen hinteren Radlauf und Heckblech. Hier sitzen in einer Vertiefung ca. jeweils 10-12 Schweisspunkte. Diese Punkte haben die entsprechende Zinkschicht gänzlich entfernt oder zumindest vermindert. Verursacht von dem durch die hinteren Rädern aufgwirbelten Schmutz/Sand wird dann zuerst die häufig zu dünne, darüberliegende Schicht Unterbodenschutz abgeschmirgelt und anschliesend gammeln die Schweisspunkte selber.
  • Die vorderen Kotflügel sind für die anfallende Belastung offensichtlich zu wenig geschützt und rosten, insbesondere hin zum Schweller:


  • Die Heckschürze aus Blech ist nach Aussen nicht nur höchst empfindlich gegen Parkrempler, sondern nach Innen auch gegen den von den Rädern aufgewirbelten Schmutz. Auch hier wird zuerst die zu dünne Schicht Unterbodenschutz abgeschmirgelt und anschliessend die Zinkschicht verbraucht. Dann kommen die Rostpunkte.

Überbeanspruchung des vorhandenen Rostschutzes durch Reibung, Scheuern, Hitze, Säure, lokale Feuchtigkeit etc.

  • Halterung Endtopf (Unterbodenschutz aus Wachs wird weggeschmolzen)
  • Heckschürze
  • Wagenheberaufnahmeblöcke (Mechanische Beanspruchung)
  • Radläufe
  • Fensterrahmen der Windschutzscheibe, zunächst blüht die Korrosion hier Jahrelang im Verborgenen unter der Dichtung um den Edelstahlrahmen der Scheibe. Wenn der Schaden dann zum Vorschein kommt, ist es oft schon zu spät und der Scheibenrahmen hat ein Loch.
    • Ursache ist entweder ein in der Vergangenheit des Fahrzeuges liegender Wechsel der Scheibe. Dabei wird aufgrund von Schlampigkeit, Eile und Gleichgültigkeit schlicht mit einem elektrischen Trennmesser die Scheibe herausgetrennt und in 80% aller Fälle auch gleich der Lack und die Verzinkung beschädigt. Die neue Scheibe wird aufgeklebt und das Ganze überlebt die Garantiefristen so gerade eben. Deshalb den Scheibenwechsel nicht beim Billigheimer machen lassen und am Besten vor dem Einkleben der Neuen Scheibe den Rahmen selber auf Beschädigungen kontrollieren.
    • Doch auch bei noch originalen Windschutzscheiben tritt dort manchmal Korrosion auf. Denn die Scheibe ist mit flexiblem Scheibenkleber befestigt und kann deshalb am Lack scheuern.
  • Unter den Fensterzierleisten der Dreiecksfenster hinten (als zwischen C und D-Säulen!) Hier setzt sich Dreck unter der Zierleiste fest und bildet ein Feuchtbiotop. Außerdem scheuert die Leiste oft den Lack durch. Die Halteklammern dieser Leiste sind eigentlich immer rostig.
  • Die Kotflügel vorn und die Seitenteile hinten neigen zu äusserem, (erstmal) oberflächlichem Rost im Bereich der Blinker bzw. Rücklichter. Deren manchmal am Blech aufliegende Kunststoffgehäuse reiben dann den Lack durch.
  • Unsachgemäss wieder angebrachte, schwarze Kunststoffverkleidungen unten an den vorderen Kotflügeln (Innenradhausverkleidungen) oder deren Schrauben.
  • Unter den Prallschutzleisten (wohl eher nach Parkremplern) und den unteren Abschlussleisten der Türen.
  • Hintere Hebebühnen-Ansetzpunkte unter dem "Gummiklotz" (nicht die Bordwagenheber-Aufnahmen).
  • Heckklappe Avant rund um die Schlossaufnahmen sowie im Bereich der Kennzeichenleuchten. Beim C4 Avant außerdem unterhalb der Scheibe
  • Dachreling: Hier sind die Löcher für die Haltebolzen vermutlich bei der Herstellung des Fahrzeugs von Hand eingebracht worden, der einzige Korrosionsschutz besteht in den wachsgetränkten Filzstopfen!
  • Speziell 200 20V und V8: Seiten- und Heckblech im Bereich der Chromleisten, diese scheuern an der Karosserie!
  • Vordere Radhausschalen der Modelle Audi 100 Exclusive Sportserie (S 743), hier wurde die Schalen ab Werk aus Teilen der Normalmodelle von Hand angepasst. Allerdings leider alles andere als perfekt, es wurde hartes Kunstoff verwendet und ungenau ausgeschnitten. In Folge davon liegen die Schnittkanten in den Innenkotflügeln an, scheuern mit dem aufgewirbelten Schmutz als Medium die Lackschichten weg und bilden Rostnester im Innenkotflügel. Abhilfe schafft das Nachpassen und Polstern der Schnittkanten.Den Lackaufbau darunter sorgfältig wiederherstellen!
  • Rost lässt sich auch häufig unter den über den Türrahmen verlaufenden Dachzierleisten finden.
  • Extremer Rost im Typ44 Radkasten hinten rechts, verursacht durch Ansammlung von Schmutz und Feuchtigkeit über dem Tankstutzen, zwischen Innen- und Aussenblech. Über dem Tankeinfüllrohr nistet sich der Dreck ein und hält das Wasser wie einen Schwamm. Diese prekäre Situation ist unsichtbar von aussen, aber mit der Hand im Radkasten gut erfühlbar. Manche Exemplare (hauptsächlich Vorfacelifter, jedoch auch Nachfacelifter) hatten hier schon Löcher so groß wie Familienpizza.



  • Die hinteren Radläufe neigen an der eigentlichen Kante des Radlaufes und an der Vorderkante im Übergang zum Schweller zu Rostbefall. Hier liegen mehrere Bleche übereinander und sind mangelhaft hohlraumgeschützt. Durch den Kofferraum kommt man bei abgenommenen Seitenverkleidungen gut mit einer Hohlraumsonde hin. Oder man nimmt die hinteren Türkontaktschalter raus, um zwischen die Blechdoppelung zu gelangen.


  • Die Endspitzen rosten gern zum Radkasten hin durch. Meist von außen nach innen,durch mangelhaften Steinschlagschutz im Radkasten.




  • Bei nicht verzinkten Modellen vor 9/85 rostet gerne der Kofferraumboden rund um die Kunststoff-Reserveradwanne.
  • Die an die hinteren Längsträger aufgeschweißten "Montageböcke" (dort war bei Audi am Fließband die Karosserie befestigt) sind rostanfällig. Zwar braucht die Dinger eigentlich keiner mehr.Es sieht aber hässlich aus, wenn sie faulen.
  • Die Wagenheberaufnahmen hinten (die mit den Gummiklötzen) neigen sehr zum Rostansatz. Oft auch zu mehr. Unter dem Gummi ist das Blech dünn versiegelt gewesen. Zusätzlich reibt der Schmutz der sich unter dem Klotz sammelt am Blech.
  • Hinter den vorderen Radhausschalen, im Bereich in dem der Kotflügel am Schweller festgeschraubt ist, sitzt fast immer die braune Pest. Trotz oder wegen Radhausschale lagert sich im unteren Bereich des Kotflügels zum Schweller hin meist eine erhebliche Menge Dreck an. Das führt - siehe Radkasten hinten rechts - zu Korrosion vor allem am Kotflügel. Im späten Stadium auch am Schweller. Das heimtückische daran;man siehts von außen erst,wenns wirklich schon zu spät ist.


  • Der "Wasserkasten" hinter der Spritzwand ist im Bereich der Batterie(bei Fahrzeugen ohne Klimaanlage) rostgefährdet. Die Batterie setzt der Lackierung mit ihren salzsäurehaltigen Ausdünstungen stark zu. Zusätzlich sammelt sich hier bei Laternenparkern oft eine Menge Laub und Dreck.


  • Die Kofferaumklappe (bei der Limousine) rund um die Kennzeichenbeleuchtung ist potenziell rostgefährdet. Hier rosten fast alle 44er. Allerdings zunächst unsichtbar im Verborgenen.
  • Die Blechkante auf die die Heckklappendichtung gesteckt wird fault im verborgenen gern vor sich hin. Sieht man erst,wenn der Rost die Dichtung hebt,oder wenns schon in den Kofferraum reinregnet.


  • Die Federbeindome - vorn wie hinten - können auf der Auflagefläche des Federbeinlagers rosten. Der Unterbodenschutz fehlt an dieser Stelle und (schlimmstenfalls salziges) Wasser dringt durch Kapillarwirkung in diesen Bereich vor und verbleibt dort lange.

Nicht sachgemäss behobene Unfallschäden

  • Einige Besitzer eines ansonsten perfekten Audis können ein Lied von nicht ordnungsgemäss reparierten Unfallschäden am Typ44, C4 oder B4? singen. So kann z.B. ein an sich harmloser Parkrempler unter der Stosstange hinten den Lack beschädigen, unentdeckt bleiben und für Jahre gammeln. Irgendwann macht dann der TÜV völlig unerwartet wegen Rost Probleme! Siehe dazu auch fehlender Rostschutz oder mangelhafte Unfallreparatur. (Mürbekeks)
  • Es kann auch passieren, dass am ansonsten vollverzinketen Audi ein Reperaturblech ohne Verzinkung angesetzt wird. Auch dessen Schweissnähte werden i.d.R. nicht verzinkt. Dann gammelt es irgenwann sicher.

Anmerkungen

  • Freundlichen Dank an Fabian für einen Teil der Bilder und der Infos!
  • Wenn es erst mal gammelt geht nur noch tauschen. Wenn ein Unfall repariert wird, sich entwerder unbedingt vergewissern, dass wieder verzinkt wurde oder das lieber gleich selber machen.
  • Spezifisch Avant: Bereits oben genannt wurden die Löcher für die Dachreling, die hinteren Seitenscheiben. Zudem ist die Heckklappe beim Avant niemals verzinkt und deshalb grundsätzlich rostgefährdet. Häufiger Auslöser ist dann entweder die durch Fingernägel zerkratzte Griffmulde oder eine undichte Zuleitung für das Wischwasser des Heckscheibenwischers. Diese Flüssigkeit ist ebefalls korrosiv und zerfrisst die Klappe von innen.

Siehe auch