Audi 100 C3 10v Turbo MC: Leerlauf unrund trotz Überholung – strukturierte Fehlersuche

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Fallbeispiel 1 aus dem Forum

Problem/Symptom

Ein Audi 100 C3 Turbo (MC1, Bj. 1986) läuft im Leerlauf weiterhin leicht unrund, obwohl bereits viel erneuert/überholt wurde (Zündung neu, Kompression gleich, Ansaugweg dicht, Ventile eingeschliffen + neue Schaftdichtungen, KGE-Schläuche ersetzt, korrekte ESV verbaut und Mengenteiler synchronisiert).

Häufige Fragen

  • Wie finde ich die Ursache für unrunden Leerlauf beim MC1 trotz neuer Zündanlage und guter Kompression?
  • Welche Bauteile verursachen Leerlaufprobleme, obwohl Ansaugsystem dicht ist (Abdrücken/Absprühen ohne Befund)?
  • Wie prüfe ich Hallgeber/Zündverteiler beim MC1 auf BOSCH-Originalteil und welche Symptome macht ein Nachbau?
  • Wie beeinflusst der Warmlaufregler (WLR) den Leerlauf über die Blocktemperatur?
  • Wie prüfe und verbessere ich die Motormasse, wenn Sensorwerte „spinnen“?
  • Welche Temperaturgeber am Wasserflansch sind kritisch und wie erkenne ich Hysterese-/Fantasiewerte?
  • Wie prüfe ich Steuerzeiten nach Reparaturleitfaden (RLF), wenn der Motor „eigentlich“ passt?
  • Was kann die Leerlaufregelung (LLRV/Leerlaufzigarre) realistisch ausregeln – und was nicht?
  • Wie messe und stelle ich das Tastverhältnis korrekt ein?
  • Welche Einspritzventile (ESV) sind für Turbo empfehlenswert und warum „pinkeln“ manche?
  • Wie prüfe ich Lambdaregelung/Lambdasonde sinnvoll (Abgasmessgerät vs. Messgerät)?

Kontext/Notizen aus der Praxis

  • Bei Chip-/Ladedruck-Anpassungen (z.B. 0,9 bar) werden oft Durchflusswerte in ml/min genannt. Wenn der Motor im Leerlauf deutlich zu fett wird, ist das ein Hinweis: nicht nur auf ESV-Durchfluss schauen, sondern Regelung/Sensorik/Grundabstimmung systematisch prüfen.
  • Hinweis: Unterschiede KE-Jetronic / K-Jetronic / Turbo-Setups beachten – “mehr Durchfluss” löst Leerlaufprobleme nicht automatisch, oft im Gegenteil.

Strukturierte Fehlersuche (Checkliste zum Abarbeiten)

Abarbeiten, nicht springen. Erst wenn ein Punkt sicher i.O. ist -> nächster Punkt.

  1. Hallgeber am Zündverteiler prüfen
    • Am Hallgeber sitzt der schwarze 3-polige Stecker.
    • Prüfen: Ist dort ein BOSCH-Hallgeber verbaut oder ein anderer Hersteller/Nachbau?
    • Gemeint ist der kleine schwarze „Plastikteil“ am Zündverteiler, nicht der Verteilerkörper.
    • Ideal: Foto machen – auf Hallgeber/Stecker sollte das BOSCH-Symbol erkennbar sein.
    • Wenn kein BOSCH verbaut ist: kann Aussetzer/Unruhe verursachen.
  2. Warmlaufregler (WLR) verstehen und prüfen
    • Der WLR holt sich seinen Arbeitspunkt über die Blocktemperatur (Wärmeleitung über das Gussgehäuse/Bimetall).
    • Prüfen: sitzt/arbeitet der Regler thermisch korrekt, stimmt das Temperaturverhalten?
  3. Motormasse prüfen/optimieren
    • Sensorik/Regelung arbeitet über Motormasse.
    • Massepunkte: korrosionsfrei, fest, leicht gefettet.
    • Lieber zusätzliche Massepunkte schaffen als nur auf Werksmasse zu vertrauen.
  4. Temperaturgeber am Wasserflansch prophylaktisch prüfen/ersetzen
    • Beide 1-poligen Temperaturgeber am Wasserflansch sind verdächtig.
    • Fehlerbild: kalt noch plausibel, warm plötzlich Fantasiewerte (Hysterese/Drift).
    • Folge: man sucht ewig woanders – daher gezielt prüfen/ersetzen.
  5. Steuerzeiten nach RLF prüfen
    • Stimmen Steuerzeiten exakt nach Reparaturleitfaden?
    • Nicht “passt schon” – wirklich sauber abgleichen.
  6. Leerlaufregelventil (LLRV / „Leerlaufzigarre“) realistisch bewerten
    • LLRV kann kein zu fettes Gemisch wegregeln.
    • Wenn’s fett ist, ist die Ursache woanders (Grundabstimmung/Regelung/Sensorik).
  7. Tastverhältnis korrekt messen und einstellen
    • Tastverhältnis nach RLF eingemessen und korrekt eingestellt?
    • Ohne Messung ist das reines Raten.
  8. ESV-Qualität/Typ prüfen (Turbo-Hinweis)
    • ESV grundsätzlich ok – aber: BOSCH …032 (Stahldichtsitz) gelten als robuster.
    • Viton-Dichtsitze neigen bei Turbo eher zum „Pinkeln“ (Nachtropfen/unsauberer Sprühbeginn).
  9. Lambdaregelung / Lambdasonde prüfen
    • Aktivität ideal mit Abgasmessgerät prüfen.
    • Alternativ: hochwertiges Bargraph-Multimeter mit hoher Abtastrate.
    • Alte Sonden werden regelträge oder defekt.
    • Nur BOSCH verwenden, keine gebrauchten “lief bis zum Ausbau”-Sonden.

Quelle


ähnlich gelagerter Fall aus dem Forum

Problem/Symptom

Ein Audi 100 C3 Turbo (MC1/MC2) läuft im warmen Zustand im Leerlauf leicht bis deutlich unrund, obwohl bereits viele Komponenten erneuert wurden:

  • Zündanlage neu
  • Kompression gleichmäßig
  • Ansaugweg dicht (abgedrückt)
  • Ventile überholt / Schaftdichtungen neu
  • KGE-Schläuche ersetzt
  • Einspritzventile korrekt
  • Mengenteiler abgeglichen
  • Lambdaregelung grundsätzlich aktiv

Typisches Verhalten:

  • Kaltstart sauber
  • Kaltleerlauf relativ ruhig
  • Nach einigen Minuten Warmlauf → unrunder Leerlauf
  • Unter Last: Motor läuft sauber, zieht normal

Das ist ein klassisches Warm-Leerlaufproblem, kein generelles Motorproblem.


Grundlegende Erkenntnisse aus Praxis und Forenfällen

  • Wenn der Motor unter Last sauber läuft, sind Mechanik und Zündung meist nicht die Hauptursache.
  • Falschluft ist nur dann ausgeschlossen, wenn:
    • Druckstrecke abgedrückt wurde
    • KGE dicht ist
    • Ziehen des Ölpeilstabs den Motor fast abwürgt
  • Leerlaufprobleme beim MC entstehen häufig durch:
    • Temperaturgeber
    • Masseprobleme
    • Hallgeber/Nachbauteile
    • Warmlaufregler
    • Leerlaufsteuergerät

Der Leerlaufsteller kann nur Drehzahl regeln, kein falsches Gemisch korrigieren.


Strukturierte Fehlersuche (zwingend in dieser Reihenfolge)

Abarbeiten, nicht springen. Erst wenn ein Punkt sicher i.O. ist → nächster Punkt.


1. Falschluft sicher ausschließen

Pflichtprüfung vor jeder weiteren Diagnose.

  • Ansaugstrecke mit Druck abdrücken
  • Unterdrucksystem prüfen
  • KGE dicht?
  • Ölpeilstabtest:
    • Motor stirbt fast ab → System dicht
    • Kaum Änderung → Falschluft vorhanden

2. Zündanlage vollständig prüfen

Nicht nur optisch, sondern technisch sauber.

  • Zündkabel, Stecker, Verteilerkappe, Finger
  • Zündkerzen korrekt (Wärmewert, Zustand)
  • Zündzeitpunkt nach RLF prüfen

Wichtig: Wenn der Motor unter Last sauber läuft, ist die Zündung meist nicht Hauptursache.


3. Hallgeber am Zündverteiler prüfen

Typischer Fehlerpunkt bei unrundem Leerlauf.

  • Am Hallgeber sitzt der schwarze 3-polige Stecker.
  • Prüfen:
    • BOSCH-Originalteil verbaut?
    • Oder Nachbau?

Der Hallgeber ist der kleine schwarze Einsatz im Verteiler, nicht der Verteiler selbst.

Symptom bei Nachbau-Hallgebern:

  • Leerlauf unruhig
  • sporadische Aussetzer
  • unter Last oft unauffällig

4. Steuerzeiten exakt nach RLF prüfen

Nicht „passt ungefähr“.

  • OT-Markierung exakt prüfen
  • Nockenwelle exakt ausrichten
  • Verteilerstellung kontrollieren

Schon kleine Abweichungen erzeugen unrunden Leerlauf.


5. Motormasse prüfen und verbessern

Die gesamte Sensorik arbeitet über Motormasse.

  • Masseband Motor–Karosserie prüfen
  • Korrosion entfernen
  • Kontaktflächen reinigen
  • Leicht einfetten
  • Bei Bedarf zusätzliche Masse legen

Symptome bei schlechter Masse:

  • Sensorwerte springen
  • Leerlauf schwankt
  • Tastverhältnis instabil

6. Temperaturgeber am Wasserflansch prüfen

Sehr häufige Ursache für warmen unrunden Leerlauf.

  • Beide 1-poligen Geber prüfen oder prophylaktisch ersetzen.

Typisches Fehlerbild:

  • Kalt plausible Werte
  • Warm plötzlich falsche Werte (Hysterese/Drift)

Folge:

  • Falsche Gemischanreicherung
  • Unruhiger Leerlauf

7. Ansauglufttemperatursensor prüfen

Kann:

  • falsche Gemischwerte verursachen
  • Fehlercode und MKL auslösen

Besonders prüfen, wenn:

  • Fehler im Ladedrucksystem vorlagen
  • Unterdrucksystem mit Flüssigkeit kontaminiert war

8. Warmlaufregler (WLR) prüfen

Der WLR bestimmt das Grundgemisch.

Wichtig:

  • Arbeitet über Blocktemperatur (Bimetall im Gehäuse)
  • Muss thermisch korrekt angebunden sein

Fehler am WLR:

  • Zu fettes oder zu mageres Gemisch warm
  • Unruhiger Leerlauf trotz funktionierender Lambdaregelung

9. Tastverhältnis korrekt messen und einstellen

Ohne Messung ist jede Einstellung blind.

  • Tastverhältnis nach RLF messen
  • Auf Sollwert einstellen
  • Regelverhalten prüfen

Sauberes, pendelndes Signal = Regelung aktiv.


10. Einspritzventile (ESV) prüfen

Grundsätzlich:

  • Strahlbild sauber
  • Dicht im Ruhezustand

Turbo-Empfehlung:

  • BOSCH …032 mit Stahldichtsitz
  • Viton-Sitze neigen eher zum Nachtropfen („pinkeln“)

Nachtropfen:

  • Überfettung im Leerlauf
  • unrunder Motorlauf

11. Lambdasonde und Regelung prüfen

Ideal:

  • Abgasmessgerät verwenden

Alternativ:

  • Schnelles Bargraph-Multimeter

Hinweise:

  • Alte Sonden werden träge
  • Nur BOSCH verwenden
  • Keine gebrauchten Sonden

12. Leerlaufregelung prüfen

Wenn alle vorherigen Punkte i.O. sind:

Leerlaufregelventil (LLRV / „Zigarre“)

  • Funktion prüfen
  • Reinigung möglich

Leerlaufsteuergerät J142

  • Sitz: Fahrerfußraum links
  • Defekt möglich, auch wenn Ventil mechanisch funktioniert

Wichtig: Das LLRV kann kein falsches Gemisch ausregeln.


13. Ladedrucksensor und Unterdrucksystem prüfen

Relevant, wenn:

  • MKL aufleuchtet
  • Ladedruck unplausibel
  • Fehlercode „Druck im Ansaugrohr zu hoch oder zu niedrig“

Mögliche Ursache:

  • Flüssigkeit im Unterdrucksystem
  • Defekter Ladedrucksensor

Wichtige Praxisregel

Wenn:

  • Kompression gut
  • Falschluft ausgeschlossen
  • Zündung unter Last sauber
  • Lambdaregelung aktiv

→ liegt das Problem fast immer bei:

  • Temperaturgebern
  • Masseverbindungen
  • Hallgeber
  • Warmlaufregler
  • Leerlaufsteuerung

Nicht bei:

  • Kolben
  • Ventilen
  • Turbolader
  • „zu wenig Durchfluss“

Quelle