Anlasser überholen -

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Der Anlasser kann altersbedingt folgende Mängel aufweisen:

  • sporadischer oder permanenter Leistungsmangel (kurbelt nur langsam oder gar nicht mehr, trotz gesunder Batterie)
  • kreischende Geräusche

Diese Fehler lassen sich mit Hilfe der folgenden Arbeitsschritte beheben:

  1. Reinigung (allgemein, aber ggf. auch den Magnetschalter)
  2. Erneuerung der Lagerbuchsen (wenn erforderlich)
  3. Einbau von neuen Kohlebürsten (wenn erforderlich)
  4. Schmierung.

ACHTUNG: Beim Aus- und Einbau des Anlassers ist die Batterie unbedingt zu entkoppeln! Das Batteriekabel am Anlasser ist ungesichert!

Im Folgenden beziehen sich "vorne", "hinten", "links" und "rechts" immer auf die Fahrtrichtung, also "vorne" = kühlerseitig, "hinten" = getriebeseitig.

Ausbau

  1. Das Batterie- und Lichtmaschinenkabel vom Magnetschalter trennen: Ringkabelschuh mit Mutter, Schlüsselweite 13mm.
  2. Das Steuerkabel abziehen: Flachsteckhülse (die Sicherungsnase aus Plastik bricht gerne ab).
  3. Der Anlasser ist mit zwei Bolzen am Motor befestigt (SW ist beim AAR etwas exotisch: 16 mm) - die Köpfe sind jeweils hinten. Der untere schraubt sich in eine Mutter, der obere direkt ins Anlassergehäuse.

An den oberen kommt man besser von oben - ggf. die Ansaughutze demontieren, um die Kurbelgehäuseentlüftung etwas zur Seite zu schieben. Beim rechtsgesteuerten Modell ist es hier wegen des Hauptbremszylinders recht eng. Es hilft auch, die Lenkung nach rechts einzuschlagen. Wer von links hinter dem Zylinderkopf vorbei arbeiten will, sollte beim Wuchten auf den Plastiksteg vom Stecker des Hallgebers achten.

  • Achtung: der Anlasser ist erstaunlich schwer!

Zerlegung

  1. Das Verbindungskabel (Kupferstrang) zwischen Anlasser und Magnetschalter lösen: Ringkabelschuh mit Mutter, Schlüsselweite 13mm.
  2. Die zwei langen Bolzen (SW 6 oder 7 mm) aus dem Gehäuse nach vorn herausdrehen.
  3. Die beiden Kreuzschlitzschrauben vorne herausdrehen und die Staubkappe abziehen. Darunter erscheint das vordere Lager. Die Welle ist mit einem Halbring gesichert, der in einer Nut läuft.
  4. Den Halbring entfernen und den vorderen Deckel des Gehäuse vorsichtig von der Welle ziehen. Achtung: wenn die Nut verkantet ist und die Welle sich nicht absolut leichtgängig durch die Messingbuchse ziehen lässt, nimmt die Buchse Schaden! Die Nut ggf. vorher vorsichtig sauberfeilen.
  5. Das Gehäuse im Bereich des Planetengetriebes trennen.
  6. Den Läufer nach vorne aus dem Gehäuse ziehen. Es kommen 6 Magneten zum Vorschein: von innen ans Gehäuse geklammert. Wer sie ausbauen will, muss nachher auf die richtige (abwechselnde) Polung achten!
  7. Die Bürsten nur vom Läufer abziehen, wenn man etwas motorisches Geschick und viel Geduld zum Zusammenbau hat!
  8. Den Kranz vom Planetengetriebe aus dem Gehäuse ziehen.
  9. Die Staubschutzplatte (zwischen den Magneten und dem Planetengetriebe) aus dem Gehäuse ziehen.
  10. Der hintere Teil des Anlassers (Welle mit Steilgewinde (Englisch: "Bendix gear"), Freilauf und Ritzel) ist auch relativ gut zu reinigen, ohne alles zu zerlegen.

Wer jedoch die Welle komplett ausbauen will, muss den Sicherungsring zwischen Ritzel und hinterem Lager öffnen. Er besteht aus zwei Teilen. Den äußeren Ring vom inneren Federstahlring herunterschlagen (z.B. mit einer passenden Rohrhülse) - anschließend den Federstahlring aus der Nut hebeln.

  1. Es ist normalerweise nicht erforderlich, den Magnetschalter vom Gehäuse zu entfernen. Seine Schrauben (3 x Kreuzschlitz) sind ohnehin eingeklebt.

Reinigung

Es empfiehlt sich ein Bad mit Petroleum, eine alte Zahnbürste und ein paar alte aber saubere Lappen.

  1. Der Läufer sollte trocken gereinigt werden (trockene Bürste und ausblasen).
  2. Den Rest mit Petroleum reinigen: Buchsen, Wellen, Planetengetriebe, Gehäuse usw. Wer den hinteren Teil nicht zerlegt hat, sollte darauf achten, dass kein Petroleum in den Magnetschalter läuft. Solange Petroleum durchs Steilgewinde und den Freilauf schwemmen, bis beide leichtgängig und ohne Grandern laufen. (Anmerkung: auch ein sauberer Freilauf hat einen gewissen Widerstand).
  3. Alle Teile trocknen - den Freilauf z.B. mit Heißluftfön, oder übernacht austrocknen lassen.
  4. Um den Magnetschalter zu reinigen, muss man die Kontakte entlöten, den Deckel abziehen und die inwendigen Kupferkontakte mit einer Drahtbürste abreiben.
  5. Falls die Kontakte außen am Magnetschalter korrodiert sind, mit einer Drahtbürste reinigen und ggf. etwas Polfett oder Kupferpaste draufgeben.

Lagerbuchsen austauschen

Wenn eine Messingbuchse Spiel hat oder Riefen aufweist, sollte man sie austauschen. Die vordere Buchse ist relativ einfach auszutauschen. Für den Tausch der hinteren muss man ggf. die Welle (Ritzel, Steilgewinde) ausbauen, um mit dem Presswerkzeug an die Buchse zu kommen. Das Prinzip:

  1. Einen langen Bolzen mit starker Unterlegscheibe in die Buchse stecken. Der Kopf und die Scheibe müssen größer als der Innendurchmesser und kleiner als der Außendurchmesser der Buchse sein.
  2. An der anderen Seite ein Stück Rohr auf den Bolzen setzen. Innendurchmesser des Rohrs muss größer sein als der Außendurchmesser der Buchse.
  3. Eine große Unterlegscheibe (oder Platte mit Loch) auf den Bolzen setzen: die Platte muss größer sein als der Durchmesser des Rohrs.
  4. Eine passende Mutter auf den Bolzen setzen.
  5. Alles zentrieren und die Mutter Stück für Stück festziehen. Dadurch wird die Messingbuchse aus der Halterung gepresst und in das übergestülpte Rohr hineingezogen.
  6. Halterung reinigen.
  7. Neue Buchse leicht einölen und nach ähnlichem Prinzip einpressen. Darauf achten, dass sie nicht verkantet!

Teilenummern bei Audi (AAR, Bosch-Anlasser):

  • Buchse vorne (also kühlerseitig!) 035 911 213B
  • Buchse hinten (also schwungradseitig!) 028 911 257
  • Reparatursatz (mit "innerer" Buchse, also vermutlich die kühlerseitige, und diversen Gleitstücken für den Einrückmechanismus, sowie Sicherungsring): 035 911 320A.

Wartung der Bürsten

Zwei der vier Bürsten sind fest mit der Halterung verbunden. Wenn also die Bürsten verschlissen sind (kein Anpressdruck mehr), muss auch die Halterung neu gekauft werden. Ansonsten können die alten Bürsten wiederverwendet werden. Achtung: das Material der Bürsten ist recht weich!

  1. Die Bürstenhalterung vom Läufer ziehen und ggf. reinigen.
  2. Die Bürsten sind meistens an der einen Seite schartig, wo der Läufer austritt. Die schartige Kante mit feinem Schmirgel etwas abschrägen (Fase).
  3. Falls der Läufer feine Löcher (Funkenschlag) aufweist, in Drehrichtung mit feinem Schmirgel abnehmen.
  4. Der Einbau der Bürsten ist einfacher, wenn man die Halterung erst ohne die eingesteckten Bürsten auf den Läufer steckt und dann die Bürsten hineinklemmt. Den Läufer jeweils in die Richtung der gegenüberliegenden Bürste wegdrücken, dann hat die Klammer der Bürste Platz zum einrasten. Geduld bewahren!
  5. An dieser Stelle keine Schmierung! Das kupferhaltige Material ist selbstschmierend, und der Läufer darf zwischen seinen Kupfersegmenten nicht verdrecken - schon gar nicht mit leitfähigem Material.

Schmierung

  1. Die Messingbuchsen mit Molybdändisulfid-Schmierfett (MoS2)oder Graphit schmieren.
  2. Das Planetengetriebe und Steilgewinde mit MoS2 oder einem anderen guten Schmierfett schmieren. Das Steilgewinde, das Ritzel und die hintere Buchse sparsam fetten, weil sie sonst nur verdrecken!
  3. Den Freilauf ggf. mit etwas Öl schmieren.
  4. Die vordere (kühlerseitige) Buchse kann reichlich geschmiert werden: die Staubkappe von innen ca. halbvoll Schmierfett geben.

Zusammenbau

  1. Falls der hintere Sicherungsring ausgebaut war: zum Einbau den inneren Federstahlring in die Nut legen, den äußeren Ring über ein Ende stülpen (verkanten), den Federstahlring zusammenpressen, und eine zweite Person den äußeren Ring auf den inneren schlagen lassen. Der Sicherungsring sitzt erst dann richtig, wenn er sich frei in der Nut dreht.
  2. Alle anderen Schritte erfolgen sinngemäß in umgekehrter Reihenfolge.

Und dann am neuwertigen Anlasser freuen!

Wem das zu aufwendige Arbeiten sind, kann auch einen renovierte Anlasser kaufen (Preis 2007: 175 €):

Anmerkungen

Informationen von Mark Rohwer aus dem Audi 100/200 Forum, mit besonderen Dank an Raymond Becker, Thomas Tetzlaff und Klaus Tronicke. Bitte nach Bedarf kopieren, verlinken und vor allem verbessern!

Siehe auch