TachoreparaturAudi100Typ44VFL-KilometerzählerDefekt

(anzeigen)

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Oft geht bei älteren Tachos der Kilometerzähler nicht mehr. Man denkt dann es liege an abgenutzte oder defekten Zahnrädern, aber die sind meist bestens in Ordnung und der Defekt ist ein ganz anderer, nämlich ein Zahnrad das auf seiner Achse durchrutscht. Einige Kunststoffräder im Tacho sind einfach fest auf eine Metallachse gesteckt und Kunststoff verformt sich nun einmal unter Dauerspannung so dass nach Jahrzehnten die Verbindung nicht mehr hält.

Es sei angemerkt dass man bei der Gelegenheit auch gleich den Tacho neu kalibrieren kann. Dazu vorher den Anzeigefehler ermitteln, das geht ohne Profiwerkzeug: Einfach auf einer leeren Strasse ein paar hundert Meter tempo 50 halten und mit der Geschwindigkeitsanzeige eines Navis vergleichen. Bei gutem GPS-Empfang ist die nämlich schon nach kurzer Strecke sehr präzise. Der Tacho sollte dabei 1-2 kmh mehr anzeigen. Andernfalls den Fehler notieren , den können wir am Ende der hier beschriebenen Reparatur mit beheben.

Nun zur eigentlichen Reparatur:

Zuerst das Kombiinstrument ausbauen.

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Den Istrumententräger durch Entfernen diverser Schrauben am Rand (Pfeile) ausbauen.

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4 Schrauben an der Rückseite entfernen, die den Tacho halten.

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Am ausgebauten Tacho den Rückstellstift (1) für den Tageskilometerzähler abnehmen. Die Befestigungsschrauben der Skalenscheibe (2) herausnehmen, die Skalenscheibe um 360 grad gegen den Uhrzeigersinn drehen und wieder festschrauben.

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Der Tachozeiger steht jetzt in seiner freien Nullposition statt wie normalerweise vom unteren Anschlagstift gehalten. Diese Position am Skalenrand markieren, wir brauchen sie wieder wenn der Zeiger montiert wird. Da die Zeigerachse ein wenig Reibung hat, bleibt er von links oder rechts kommend an verschiedenen stellen stehen und man muss man den Zeiger ein paarmal von links und rechts anstupsen um eine mittlere Nullposition zu ermitteln. Übrigens hat die Skalenscheibe dafür auch eine Eichmarke (Pfeil im Bild), die aber nicht stimmen muss. Nun können wir den Zeiger demontieren, aber das erfordert ein bestimmtes Vorgehen:

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Hier sehen wir die Rückseite des Zeigers: Eine kleine Messinghülse trägt eine Messingplatte auf der wiederum der Kunststoffzeiger aufgenietet ist. Versucht man den Zeiger einfach abzuziehen, zerstört man diese Verbindung und damit den Zeiger.

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Jetzt kommt der entscheidende Trick: Einen Schraubenzieher (1) auf der rechten Befestigungsschraube der Skala abstützen und mit der Klinge unter die kleine Messinghülse hebeln, mit der der Zeiger (2) auf der Achse fest steckt. Am besten kerbt man die Klinge des Schraubenziehers vorher in der Mitte etwas ein, so dass sie die Achse etwas umfasst und ein Abrutschen sicher verhindert wird. In der Regel kann man die Messinghülse und somit den Zeiger so mit einigem Druck sicher von der Achse holen, denn sie ist nur aufgesteckt!

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Nachdem auch die Skala abgeschraubt ist, liegt das Zählwerk frei. Allerdings kann man dessen Deckrahmen nie ganz entfernen, denn die kleine Rückstellfeder der Tachoachse (in der Bildmitte) lässt sich nicht entfernen. Zudem muss man unbedingt darauf achten, sie bei den folgenden Arbeiten nicht zu verbiegen! Das Zählwerk wird über eine Schnecke (1) angetrieben, welche auf ein Zahnrad (2) wirkt, das wiederum die Hauptachse antreibt welche durch alle Ziffernräder geht. Die Ziffernräder drehen sich lose auf dieser Achse. nur das Zahnrad rechts ist wiederum fest auf der Achse. Es treibt über die oben liegenden Mitnehmerritzel das rechte Ziffernrad an und über ein Zahnrad den Tageskilometerzähler. Genau Hier liegt das häufigste Problem: Mit der Zeit wird das Zahnrad (3) auf der Achse lose, rutscht durch, und eventuell rutscht auch die ganze Achse nebst Zahnrad (2) nach links, wodurch der Kilometerzähler nicht mehr angetrieben wird.

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Wenn man die Schrauben des Zählerdeckrahmens (1) etwas löst, kann man die Schnecke (2) oben aushängen und etwas zur Seite bewegen, so dass das Zahnrad frei wird. Bei dem abgebildeten Tacho ist auch der Gehäuserand etwas bearbeitet (3) so dass das Zahnrad weiter heraus geschoben werden kann, das ist aber nicht unbedingt nötig.

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Die Achse (Pfeil) lässt sich jetzt nach innen aus ihrem Führungsloch drücken.

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Anschließend kann man Achse samt Rädern einseitig anheben (1). Damit werden auch die Mitnehmerritzel (2) frei. Man kann die Achse jetzt rechts soweit heben dass man das Zahnrad und ggf. auch die rechten Ziffernräder abziehen kann. Außerdem lassen sich jetzt beliebige Tachostände einstellen, was natürlich nur zur Korrektur der wegen des Defekts nicht gezählten Kilometer zulässig ist, oder um einen Austauschtacho an den Kilometerstand des Fahrzeugs anzupassen.

Um das rutschende Zahnrad wieder fest zu bekommen, hat sich folgendes bewährt:

  • Das Achsende rechts säubern.
  • Das Loch des Zahnrades mit einem Tropfen Kleber füllen. Bewährt hat sich hier Pattex Repair Xtreme (nicht zu verwechseln mit dam Kontaktkleber!). Das ist ein sehr gut klebender Einkomponenten-Kleber der nach einigen Stunden Aushärtung einen sehr zähen und widerstandsfähigen, leicht elastischen, transparenten Kunststoff ergibt. Übrigens noch für sehr viel anderes hervorragend geeignet.
  • Ein gerades Stück Draht durch das Loch stecken und darin herumbewegen um den Kleber nur als dünnen Film auf der Innenseite des Lochs zu haben.
  • Überschüssigen Kleber an den Lochenden gut entfernen.
  • Zahnrad auf die Achse stecken.
  • Das Achsende rechts säubern.
  • Das Führungsloch mit einem tropfen Öl versehen. Zu Schmierung braucht es das nicht, aber es verhindert dass eventuell überbleibender Kleber die Achse festsetzen kann.
  • Die Achse mit allem zurück nach unten bewegen, dabei auf richtige Positionen der Ziffernräder und Ritzel achten! Das rechte Ziffernrad kann nämlich versehentlich so stehen dass es nachher immer zwischen zwei Ziffern zum Halten kommt. Das wäre ärgerlich.
  • Die Achse durch Druck am linken Ende wieder nach rechts ins Führungsloch schieben.

Mindestens 12 Stunden sollte mn nun die Zahnräder nicht bewegen, so dass der Kleber abbinden kann. Es hat sich gezeigt dass das Zahnrad nach der beschriebenen Prozedur fest sitzt, aber bei Bedarf die Achse mit einigerGewalt auch wieder herausgeschoben und nachher genauso erneut montiert werden kann.

Skala und Zeiger können wir sofort wieder montieren:

  • Zuerst wird die Skalenscheibe angeschraubt.
  • Dann wird der Zeiger lose aufgesteckt, so dass er auf die vorhin angebrachte Markierung zeigt. Hat man vorher die Tachoabweichung gemessen, kann man sie jetzt kompensieren indem man den Zeiger um genau den Betrag verdreht aufsteckt den er bei der 50er Marke daneben gelegen hat.Dabei erst lose aufstecken, von rechts und links anstupsen um den die echte Ruheposition trotz der Reibung zu bekommen.
  • Wenn alles OK ist dann den Zeiger fest auf die Achse drücken.
  • Nun die Skalenscheibe wieder losschrauben, 360 grad im Uhrzeigersinn drehen und wieder festschrauben, so dass der Tachozeiger wieder an seinem Anschlagstift sitzt.

Nach Einbau die Geschwindigkeitsanzeige nochmal mit dem Navi überprüfen. Bei relevanten Abweichungen kann man den Tachozeiger nochmals abnehmen und entsprechend versetzt neu aufstecken.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Tachowellen haben eine Schwachstelle, und zwar die Plastik-Bajonettmutter mit der sie am Tacho angeflanscht werden. Da hier auch noch eine viel zu stramme Feder gegenhält, gibt der Kunststoff irgendwann den Geist auf. Mit etwas Geschick kann man sich aus 2mm Schweißdraht einen Ersatz biegen, der vergleichsweise ewig hält (Bild):

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Die beiden Windungen sind die Feder. Der Drahtbügel ist so geformt dass auch gleich die Feder mehr Platz hat und die Spannung so vermindert wird.