Fronti

(anzeigen)

Inhaltsverzeichnis

Scanning...

Liebevolle Abkürzung für Frontantrieb, die zweite Antriebsart bei Audi-Modellen neben dem Quattro-Allrad-Antrieb. Der Frontantrieb war lange Zeit ein sehr kontrovers diskutiertes Thema im Automobilbau.

Schon in den Gründungstagen von Daimler-Benz versuchte der Ingenieur und spätere Audi-Gründer August Horch diesen bei seinem Arbeitgeber einzuführen.

Die Argumente

  • Ein Frontgezogener Wagen sei stabiler und sicherer in der Spur zu halten als ein solcher, der von hinten geschoben werde. Zudem fallen Bauteile wie eine Kardanwelle und hinteres Differential weg.
  • Nachteile in den Augen der anderen Konstrukteure waren die daraus folgende, aufwendigere Konstruktion der vorderen Achse mit gleichzeitigem Antrieb und Lenkung. Dies war zur damaligen Zeit nicht einfach umzusetzen.

Horch verliess Daimler-Benz, gruendete seine eigene Firma (und später, im Jahr 1909, auch Audi) und nahm seine Ideen mit.

  • In der Folge der weiteren Entwicklung verwendete man den Frontantrieb lange Zeit nur für leistungsschwächere Kleinwagen.
  • Den endgültigen Durchbruch im Massenmarkt kann man wohl neben dem Austin Mini dem Golf I von VW sowie seinen Vätern bei Audi zuschreiben. VW hatte sich in eine extreme Abhängigkeit vom Modell und Konzept des Heckangetriebenen und luftgekühlten Käfers begeben. Dieser verkaufte sich gut und brachte viel Geld nach Wolfsburg. Andererseits gab es Audi, die ein Konzept für einen modernen Frontantrieb und einen modernen wassergekühlten 4-Zylinder, aber wenig Geld hatten.
  • Nach dem Golf I zogen sukkzessive immer mehr Pkw-Hersteller nach und verwendeten den Frontantrieb. Einzige Ausnahmen für den Grossteil Ihrer Modelle bilden BMW und Mercedes.
  • Bekannte Beispiele für den Umstieg von Heck- auf Frontmodelle sind VW, Opel und Ford. Diese führten den Wechsel zum Teil innerhalb einer Modellgeneration durch.

Die Fahreigenschaften des Frontantriebs:

Die meisten modernen Autos mit Frontantrieb sind auf ein neutrales bis leicht untersteuerndes Verhalten hin eingestellt. D.h. dass das Auto im Grenzbereich bei Erreichen der maximalen Kurvengeschwindigkeit mit den Vorderrädern zum Aussenrand der Kurve hin schiebt und sich dabei selbst abbremst.

Dieses Fahrverhalten galt im Vergleich mit dem Standardantrieb als sicherer, da auch ein Durchschnittsfahrer das Auto dann i.d.R. noch abbremsen und in der Kurve halten kann.

Beim Audi 100 Typ44 und C4 ist das Untersteuern aufgrund des langen Vorderbaus sowie der Kopflastigkeit wegen des langen, längs vor der Vorderachse eingebauten Motors ziemlich ausgeprägt. Es tritt zudem schon lange vor Erreichen der eigentlich maximal möglichen Kurvengeschwindigkeit auf. Das liegt jedoch nicht nur an der Konstruktion des Wagens, sondern auch an der Abstimmung/Einstellung von Parametern wie Sturz, Spur, Dämpfer-und Federauslegung etc. der Vorderachse.

Der Quattro mit im Grunde gleicher Vorderachskonstruktion und Gewichtsverteilung wurde von Audi eher auf Agilität getrimmt. Diese verdankt es jedoch nicht ausschliesslich dem Allradantrieb, da die von der Vorderachse um die Kurve zu bewegenden Massen gleich sind. Beweis: Im nichtbeschleunigten Betrieb ohne Antriebseinflüsse fühlt sich der Quattro dennoch agiler an.

Er verdankt dies u.a. einer anderen Einstellung der genannten Parameter sowie einer wesentlich besseren Hinterachskontruktion. Beim Fronttriebler kommt nämlich eine rel. simple starre Panhardstabhinterachse zu Einsatz, die bei Audi aus Kostengründen bis Ende der 90er Jahre verwendet wurde und sehr kontrovers diskutiert wird.

Das Untersteuern des Frontrieblers

...kann vermutlich durch eine andere Einstellung der Vorderachsgeometrie vermindert werden. Dies ist jedoch recht aufwendig zu realisieren. Etwas Abhilfe wird jedoch schon durch die Verwendung breiterer Reifen (205er statt 185) und grössere Felgen (15" statt der Standard 14") erzielt. Dies bringt einen deutlich spürbaren Agilitätsgewinn. Ein weiteren gefühlten Agilitätsunterschied zwischen Fronttriebler und Quattro liegt in der unterschiedlichen Einstellung der Lenkunterstützung. Der Quattro benötigt i.d.R. wesentlich weniger Kraft des Fahrers für Lenkeinschläge. Dies wird durch ein etwas anderes Lenkgetriebe erreicht, ist also beabsichtigt.

Diese Benachteiligung der Fronttriebler hat Audi bei den späteren Typ44-Modellen sukzessive zurückgenommen. Ein 90er Fronti benötigt fast ebensowenig Kraft am Lenkrad wie ein Quattro.

Anmerkungen

Siehe auch